Das Problem: Der Abbruch – bei Schwangerschaften immer wieder mal von Nicht-Schwangeren zu verhindern gesucht, statt die Entscheidung einfach denen zu überlassen, die davon am eigenen Körper betroffen sind

Spermien auf dem Weg zu einer Eizelle

Die Lösung:

Demo? Geschichte!

Als E-Book lesen

„Wollen Sie auch zur Demo?“ Der Mann im Sitz hinter mir in der U-Bahn flüstert. Ich höre ihn trotzdem, drehe mich aber nicht um.
„Vielleicht.“ Egon flüstert zurück. Ich weiß, dass Egon Egon heißt, weil ich Egon gefolgt bin von ihm zu Hause aus. Ich weiß alles über Egon eigentlich; alles, was wichtig ist. Wichtig ist vor allem sein Gehalt. 4.100 Euro Brutto bringt er nach Hause, Monat für Monat.
„Weil wenn Sie da hinwollen …“ Der Flüsterer beendet seinen Satz nicht, lässt eine bedeutungsvolle Stille folgen. Eine Stille, die ich ebenso kenne wie Egons Kontostand.
„Was dann?“, fragt Egon. Ich vernehme die Spannung in seiner Stimme. Ich selbst bin auch gespannt. Denn von dem, was der Flüsterer als nächstes sagt, hängt einiges ab. Mein eigener Kontostand diesen Monat, zum Beispiel.
„Dann könnte ich Sie …“
„Ja?“, fragt Egon.
„Folgen Sie mir einfach. In drei Stationen sind wir da.“
„Es sind aber noch fünf Stationen bis ‚Stadtmitte‘.“
„Folgen Sie mir einfach“, wiederholt der Flüsterer und steht auf.

*

Der Flüsterer ist ein Schleuser, ein zur-Demo-Schleuser. Ein ganz neuer Beruf.
Früher mal war so ein Beruf nicht nötig. Es war einfach, zu Demos zu gehen: Man ging einfach hin und gut war. So ist es im Prinzip auch immer noch: Jeder darf, der will. Man geht einfach hin und gut ist. Mit einem einzigen Unterschied, und der hat sich mittlerweile herumgesprochen.
Ich erinnere mich noch gut an die erste Demo, bei der noch keiner wusste, dass jetzt etwas anders war. Meine Agentur rief mich in der Nacht davor an.
„Sondereinsatz.“
„Mit Zuschlag“, sagte ich. „Zwanzig Prozent?“
Das war nett von mir. Bei kurzfristigen Sachen, Wecken mitten in der Nacht, Sondereinsätzen gab es meist mehr als das oben drauf. Aber ich hatte Langeweile, die letzten Wochen immer nur in Clubs an der Tür gestanden. Langsam reichte es mir mit den Alkoholfahnen am Anfang der Nacht, den Alkoholleichen am Ende der Nacht und den Alkoholschlägereien zwischendrin. Sondereinsatz klang super, fand ich.
„Wo?“, fragte ich dann aber doch. In Berlin wär okay, aber auf außerhalb hatte ich keinen Bock, egal, ob zwanzig Prozent.
„Unter den Linden.“
„Ach, was Politisches.“
„Korrekt.“ Die Dame am Telefon lachte auf.
Meine Agentur bestand fast nur aus Damen – nicht nur am Telefon oder am Empfang, wie anderswo immer noch üblich –, sondern auch draußen, vor Ort. Die meisten Einsätze waren bei ganz hohen Tieren, an Türen, durch die keiner rein sollte, den wir nicht geprüft hatten vorher. Und auch nicht wieder raus, bevor wir wussten, dass drinne alle noch lebten, die leben sollten. So was machten wir von der Agentur. Türen in Clubs, wo Leute hingingen zum Feiern, zum Trinken – Alkoholfahnen, -leichen und -schlägereien; es schüttelte mich – waren die Ausnahme. Jobs für magere Zeiten.
Aber die mageren Zeiten schienen vorbei.
„Es wird Aufruhr geben.“
„Ach“, sagte ich.
„Eine Demo.“
„Ach“, sagte ich nochmal. Aufruhr bei Demos – das konnten nur die Extremen sein, links oder rechts. Wohl eher rechts, die hatten in letzter Zeit Aufschwung. Oder doch auch links, die Gegendemo dann; Farbbeutel, Wasserbomben, Pfeifkonzert.
„Ja oder nein?“
„Ja“, sagte ich, denn meine Kleidung war prinzipiell wasserdicht, der Sondereinsatz-Zuschlag würde für ’ne chemische Reinigung von Fabklecksern reichen und Ohrenstöpsel hatte ich auch immer dabei.

*

Es gab keine Farbbeutel oder Wasserbomben, und das Pfeifen hielt sich in Grenzen. Dafür wurde umso mehr geschrien.
„Was soll denn der Scheiß?“, war der Satz, den ich am meisten zu hören bekam, dicht gefolgt von: „Das glaub ich jetzt nicht.“
Ich hatte es auch kaum geglaubt in der Agentur, drei Stunden vorm Einsatz. Drei Stunden Briefing war ungewöhnlich; meist reichten zehn Minuten: Wer das wichtige Hohe Tier war, das es zu beschützen galt, wer zu ihm gehörte und durchdurfte ohne Kontrolle und was für aktuelle Drohungen es gab, Mord, Bombe und Brand, oder ganz allgemein nur ’ne Warnung. Anschlag. Terror und so.
„Die machen auch Terror“, sagte die Dame von der Agentur in der Besprechung zum Demo-Einsatz. „Und endlich hat das jemand erkannt.“
„Aha“, sagte ich, sagten wir alle.
Wir alle: achtundsiebzig Damen, zwei Herren. Ich war einer davon. Keine Ahnung, warum sie mich aufgenommen hatten in der Agentur. Oder doch – aber das fand ich erst später heraus. Später, als ich auch merkte, was die Agentur so alles konnte. Stichwort: Egon. Und sein Kontostand.
Achtzig Leute also in der Agentur, in einem Raum. Wir musterten einander verstohlen. Alle auf einmal zusammen waren wir noch nie gewesen; es war wohl wirklich ein besonderer Einsatz.
War es auch.
Wir stellten uns in Vierern auf, an jeder nur erdenklichen Straße, von der aus man zur Demo kam. Wir standen an S-Bahnausgängen, an Bushaltestellen, an Ecken, an Tunneln, an Brücken, und natürlich auch entlang der Route. Achtzig Leute waren nicht annähernd genug, das sahen wir bald. Aber es gab auch noch andere Ordner*innen, von anderen Sicherheitsfirmen. Richtig viele gab es. Sie alle wussten Bescheid, und mich wunderte, dass die Demoteilnehmer*innen nicht Bescheid wussten. Null.
„Was soll denn der Scheiß?“
„Das glaub ich nicht!“
„Haben Sie das schriftlich?“
Klar hatte ich’s schriftlich. Das war der erste Einsatz, bei dem ich mit ’nem ausgedruckten Gesetzestext in der Hand unterwegs war. „Da“, sagte ich und hielt ihnen ’ne Kopie hin.
So war unsere Arbeitsaufteilung im Vierer: Ich ließ die Leute Gesetzestext lesen, zwei versperrten den Weg, und Nummer Vier kassierte, gab Nummer Zwei und Drei dann ein Zeichen, dass gezahlt worden war, und die ließen die Leute dann durch, zur Demo.
Bei diesem ersten Einsatz kassierten wir noch frei nach Schnauze. Es lief schließlich keine_r rum mit Lohnzettel im Portmonee. Später änderte sich das, als die Gesetzesänderung hoch und breit in den Zeitungen besprochen wurde, gefolgt von protestierenden Leserbriefen, Hasskommentaren, aber auch applaudierender Zustimmung. Nicht wenig Zustimmung. Wir schauten die Leute an, schätzen sie ab und ein: alte Schuhe, Loch oben am Shirt, Sitzfläche der Hose blankpoliert – ’nen Zehner. Oder noch weniger; viele winkten mit ihrem Berlin-Pass, ausgestellt für die auf Hartz IV, arbeitslos, 400 Euro im Monat zur freien Verfügung.
„Vier Euro“, sagten wir dann. „Ein Prozent vom Bruttolohn.“
„Ist ja wohl kein Lohn, was ich da kriege.“
„Um so schlimmer, dass Sie trotzdem massig Kinder wollen.“
„Häh?“
„Um so schlimmer-“
„Ich will doch wohl keine Kinder! Ich will nur-“
„Ja, ich weiß: Sie wollen nur keine Abtreibung.“
„Genau! Also, kann ich jetzt weiter?“
„Vier Euro.“
„Ihr spinnt doch!“
„Nee“, sagten wir. Und: „Lesen Sie mal.“
So viele Zettel, wie ich verteilte an diesem Tag – da hätt ich doch auf 30 Prozent Zuschlag bestehen sollen. War schließlich Extra-Arbeit.

*

Von denen mit vollen Einkaufstasche von der der Mall of Berlin und den Yuppie-Läden in der Friedrichstraße, die nach dem Shopping mal eben ein bisschen Abtreibungsgott spielen wollten, verlangten wir mehr als vier Euro. Dreißig Euro verlangten wir. Vierzig.
Nicht wenige drehten einfach wieder um, statt zu zahlen, gingen zurück zu den Tempeln, wo sie einfacher Gott spielen konnten. Konsumtempel. Konsumgott.
Die Demo war nicht gut besucht an diesem Tag.

*

„Ein voller Erfolg!“, sagte die Chefin, als wir einrückten am Abend, das eingenommene Geld ablieferten. Ich glaube, die meisten von uns waren ehrlich, legten alles auf den Tisch: zweihundert hier, achthundert da; ein Viererteam legte gar zweitausend hin.
„S-Bahnstation“, sagten sie und grinsten. „Super Einsatzort. Gerne wieder.“
„Ich will auch S-Bahn!“
„Ich auch!“
„Ruhe“, sagte die Chefin. „Geht nicht nach Prozenten.“
„Nicht?“ Die von der S-Bahn-Station schauten sich an, als bedauerten sie plötzlich, ehrlich gewesen zu sein.
„Nicht so jedenfalls“, sagte die Chefin, zählte alle Beträge zusammen, teilte durch achtzig und dann bekamen wir doch Prozente: zehn Prozent von dem einen Prozent, was die Demobesucher*innen hingelegt hatten, um die Demo besuchen zu können. Zehn Prozent bekam die Chefin; der Rest ging an den Staat.

*

„Wundert mich schon, dass überhaupt wer gezahlt hat“, sagte ich nach diesem ersten Einsatz zu dem einzigen anderen Mann in der Agentur. Wir liefen zusammen nach Hause. Wir wohnten zusammen, über zwei Etagen verteilt: er oben, ich unten; mit Schloss dazwischen. Tür zu und Pause voneinander. Das brauchten wir manchmal.
„Ich find’s gut so“, sagte er.
„Dass die zahlen müssen?“
„Von mir aus auch noch viel mehr.“ Er guckte auf einmal ganz ernst. „Weil, was wär denn gewesen, wenn ich damals …“ Er sprach nicht zu Ende. Musste er auch nicht. Ich war damals mit ihm gekommen, hin zur Ärztin, zum Eingriff.
„Ich weiß“, sagte ich.
„Aber manchmal“, redete er weiter und guckte noch ernster. „Manchmal wünsch ich mir, ich hätte es doch gekriegt, das Kind.“
„Ach, komm“, sagte ich.
„Ja“, sagte er. „Weil jetzt ist ja vorbei.“
„Ist es.“ Ich schaute ihn an. „Bedauerst du es?“
„Das nicht“, sagte er und wies an sich herunter: auf die Brüste, die nicht mehr waren, an seinem Oberkörper; auf die Gebärmutter, die nicht mehr war, tief in ihm drin; auf den Penis, der da jetzt war, draußen an ihm dran. Und auch tief drin, gewissermaßen, in seinem Hirn. Schon immer da gewesen. Sein Grinsen werde ich nie vergessen, als er seinen Schwanz zum ersten Mal gesehen hatte, nach der OP.
Ich lächelte bei der Erinnerung.
Er lächelte nicht.
„Das nicht“, sagte er noch mal. „Und ich find’s auch gut, was die jetzt machen. Mit dem Eintritt. Ist clever.“
„Ja“, sagte ich. „Ziemlich clever.“
Das war untertrieben. Ich fand es nicht nur ziemlich clever, sondern richtig unverschämt clever, Geld zu nehmen für zukünftige Kinder von denen, die sich dafür einsetzten, dass diese zukünftigen Kinder auch wirklich zur Welt kommen würden. Egal, was die Mütter dazu sagten, die werdenden Mütter, genauer gesagt. Nicht-werdende Mütter, ganz genau gesagt; Schwangere, die Gründe hatten, abtreiben lassen zu wollen. Geld war nicht immer der Hauptgrund, aber ich fand’s trotzdem korrekt, den Kinder-um-jeden-Preis-Demonstrant*innen welches abzuknöpfen für den riesigen Topf, aus dem dann alle was kriegen sollten, die nicht abtreiben durften, weil die Demonstrant*innen eben das verhindern wollten mit ihrem Besuch von Anti-Abtreibungsdemos.
Und klar: Noch durfte man abtreiben, aber man wusste ja nie. So, wie die politische Lage sich gerade verschärfte. Sah man ja an dem Prozess gegen die eine Ärztin, die „zu viel Werbung“ für Abtreibung gemacht hatte.
Clever, wie gesagt. Unverschämt clever. An die Zukunft denken!
„Nur – ich hätt an die Zukunft denken sollen“, sagte mein Freund.
„Kannste Gedanken lesen?“ Ich lachte auf, etwas verunsichert.
Aber er hörte mich nicht, und er las auch nicht meine Gedanken; er las seine eigenen. Er redete weiter in einem Tonfall, als ob die vor ihm stünden, diese Gedanken, an ’ne Tafel geschrieben, ’ne Tafel ziemlich weit weg, kleine Schrift, bisschen verschmiert. Unverschämt verschmiert sogar, und dann noch Sonneneinfall von irgendwoher, der ihn blendete.
„Zukunft“, las er von seiner Tafel an. Er kniff die Augen zusammen. „Wenn ich damals nachgedacht hätte-“
„Hast du doch aber. Und wie.“
Auch das hörte er nicht. Er hielt den Blick starr auf den Gehweg gerichtet: die Tafel. „Dann hätte ich ’ne einmalige Chance nicht einfach so … weggeschmissen.“
„Jetzt hör aber auf“, sagte ich. „’Weggeschmissen‘.“
„Na doch.“
„Nee“, sagte ich. „Du hast dir das damals gut überlegt. Weißte noch, Küche, ewig lange Gespräche?“ Ich wusste das noch. „Und du konntest schließlich nicht wissen, dass du eines Tages–“
„Klar konnte ich das wissen!“ Er schaute auf. „Wusst ich doch schon. Wusste ich doch schon immer.“
Korrekt. Penis im Hirn. Schon immer.
„Okay“, sagte ich. „Stimmt. Hast recht.“
Die ewig langen Gespräche waren auch darum gegangen: Kind jetzt oder nie, weil bald Penis nicht nur im Hirn, sondern auch zwischen den Beinen. Bei ihm. Und dann auch bei mir. Nur war ich nie schwanger gewesen und hatte auch nie den Drang dazu gehabt. Für mich war Kind kein Thema.
Aber für ihn anscheinend doch, auch wenn die Schwangerschaft damals nicht geplant gewesen war. Überhaupt nicht geplant war es gewesen, sondern Ausrutscher auf einer Party. Sexparty, genauer gesagt, und ganz genau gesagt: Ausrutscher wortwörtlich, Kondom vom Penis des Sexpartypartners gerutscht. Offene Beziehung. Nur hatte der Sexpartypartner-Kondomrutscher nicht mit am Küchentisch gesessen, nur ich hatte das getan. Weil eins war klar: Wenn schwanger und Kind, dann mit mir als der Papa. Auch wenn ich da noch eher ’ne Mama gewesen wär.
Klingt kompliziert? War es auch. Sag ich doch: Küchentisch, nächtelang.
Ich schaute Sven an. „Aber jetzt geht das nicht mehr. Ist vorbei.“
„Hmm“, sagte Sven, guckte aber nicht, als glaubte er das.
Aber es war vorbei.
„Du kannst jetzt kein Kind mehr kriegen“, sagte ich. „Also hör auf, da nachzudenken darüber. So ewig. Vorbei ist vorbei.“
Jetzt guckte Sven doch, als kapierte er es. „Ja“, sagte er und seufzte so laut, dass die in der Straße vor uns die Köpfe nach uns drehten. „Vorbei.“
„Ja“, sagte ich. „Vorbei.“ Ich legte ihm ’nen Arm um die Schulter. „Jetzt komm, nach Hause.“

*

„Ich kann da nicht hin“, sagte Sven zwei Monate später, als die Demo der Abtreibungsgegner*innen erneut anstand.
„Wie, du kannst da nicht hin?“
„Ich kann einfach nicht.“
„Ach“, sagte ich.
Sven sagte nichts, schaute mir einfach nur zu, wie ich die wasserdichte Kleidung anzog, die Ohrenstöpsel tiefer in die Hosentasche schob und mir schließlich die Schnürsenkel band.
„Kommst du nun?“, fragte ich.
Sven schüttelte den Kopf.
Ich schaute auf die Uhr. Zehn Minuten hatte ich noch. „Weißt du“, sagte ich und setzte mich neben ihm aufs Bett. „Die demonstrieren nicht nur gegen Abtreibung. Weißt du?“
„Weiß ich“, sagte Sven.
„Ach“, sagte ich und saß fünf Minuten von meinen zehn wortlos verblüfft. „Ja, aber“, fing ich dann wieder an. „Das trifft dich doch jetzt viel mehr, oder nicht? Wenn die auch gegen Schwule mobilmachen. Und gegen Transen! Uns!“
„Na ja“, sagte Sven. „Trotzdem nicht.“
„Oh Mann“, sagte ich.
„Ja“, sagte Sven und schlug sich an die Brust auf einmal, die Brust ohne Brüste. „Oh Mann. Korrekt. Nur–“ Er brach ab.
Ich schaute auf die Uhr.
„Geh schon.“
„Und du? Du kommst nicht?“ Ich ging zur Tür. „Kapier ich nicht, echt.“

*

Aber eines kapierte ich doch an diesem Tag: Warum die Chefin mich eingestellt hatte, mich und Sven, trotz sonst nur Frauen in der Agentur.
Sie wusste Bescheid.
„Dein Freund nicht mit?“, fragte sie, als ich kam.
„Nee“, sagte ich, und dann, obwohl ich sonst nichts Persönliches erzählte auf Arbeit: „Wir haben uns gestritten.“ Ich lachte auf. „Wegen der Demo. Schwangerschaftsabbruch und so.“
Sie nickte. „Hätt ich mir denken können.“
„Wieso?“
Sie schaute mich an, ganz lange. „Dachtest du“, sagte sie dann, „ich stelle wen ein, über den ich nicht Bescheid weiß? Bis ins kleinste Detail?“ Sie nickte mir zu, nickte runter an mir, genauer gesagt: zu den Brüsten, die nicht mehr waren, zur Gebärmutter, die nicht mehr war, zum Penis, der dafür jetzt war. „Hast du dich nie gewundert, dass ihr zwei hier arbeiten könnt?“
Das hatte ich, aber nicht allzu sehr. „Na ja.“ Ich zuckte mit den Schultern.
„Als einzige Männer?“ Sie betonte „Männer“ so, dass ich’s nicht mochte: So, als wären wir keine echten, Sven und ich. Und nur deshalb durften wir hier in der Agentur sein, allein unter fast achtzig Frauen.
„So nicht“, sagte ich. Ich drehte mich um. „Ich geh wieder.“
„Tust du nicht“, sagte sie. „Ich hab ’ne Sonderaufgabe für dich.“
Und weil sie das tatsächlich hatte und weil sie beschwor, dass sie mich als echten Mann sah, auch wenn ich ihr das nicht abnahm, so richtig, aber doch das Geld brauchte, ’ne Aufgabe, was zu tun, blieb ich und hörte ihr zu, ließ mir die Sonderaufgabe erklären.
„Die kann nur ein Mann machen“, sagte sie zum Abschluss, und diesmal klang das „Mann“ doch schon weniger als dachte sie, dass ich kein echter wär. „Versuch auch mal, Sven zurückzubringen. Das lohnt sich.“

*

Es lohnte sich wirklich, aber Sven kam nicht zurück. Sven blieb, wo er war: auf dem Bett. Er starrte die Wand an, ’ne Wand, die Tag für Tag mehr wie Tafel aussah, mit Wörtern drauf, die auch Tag für Tag deutlicher zu lesen waren. Damals. Schlechte Entscheidung. Könnt ich doch nur. Zu spät.
„Zu spät!“, brüllte ich ihn an. Und dann erschrak ich. Ich brüllte sonst nie. Aber ich wusste nicht, was ich sonst machen sollte. „Zu spät!“, brüllte ich also noch mal.
Und obwohl ich richtig laut brüllte, so brüllte, dass das Kind davon aufgewacht wär, hätten wir das Kind, hörte Sven mich nicht.
„Oh Mann“, sagte ich auf dem Weg raus zur Tür, runter zu mir, meinen Teil der Wohnung. Ich schlief oft bei mir unten jetzt, alleine im riesigen Bett. Tür zu, abschließen, Ruhe. Pause von Sven.

*

Aber eigentlich wollte ich keine Pause von Sven. Ich wollte, dass alles so war wie zuvor. Keine Wand, keine Gedankentafel, keine sinnlosen Wörter da drauf, kein Denken an damals und Kind und Baby und weg und nie wieder ’ne Chance.
„Oh Mann“, sagte ich laut hinein in die Unmenge Luft um mein Bett herum, die von niemanden bewegt wurde außer von mir, durch Sprechen in Ströme versetzt, eingeatmet, ausgeatmet.
Ich seufzte.

*

Meine Sonderaufgabe: solche Leute wie Egon. Ich ging darin auf.
Egon: Brutto 4.100, und das in Berlin. Kontostand 43.800 Euro, allein auf dem Giro. Doppelt so viel in Aktien, so weit meine Chefin das einsehen konnte. Ich war schon verblüfft, dass sie das einsehen konnte überhaupt, aber sie winkte ab.
„Mach ich mit links“, sagte sie und klickte mit der Maus im Computer rum.
„Bist ja auch Linkshänderin“, sagte ich.
Sie lachte, nickte mir zu. Wir saßen allein in ihrem Büro, spätabends, Lagebesprechung mit Egon auf dem Schirm. Ich war aufgestiegen in der Agentur, wegen Mann-Sein und so.
„Solche wie der vertrauen Männern mehr“, sagte die Chefin, und endlich klang das „Männer“ aus ihrem Mund so, wie es auch klingen sollte, wenn sie mich damit meinte: echt.
„Ja“, sagte ich. „Ist nun mal so.“
Sie nickte noch mal. „Sven?“, fragte sie dann. Das fragte sie jedes Mal, wenn wir uns trafen. Sven? Mehr musste sie gar nicht sagen; es war klar, was sie wissen wollte: Kommt der wieder? Männer wurden gebraucht. Weil Männer eben Männern vertrauten, und weil mehr Männer als Frauen zu den Demos wollten, bei denen es darum ging, wie Frauen sich zu verhalten hatten: kein Abbruch!
Ich schüttelte den Kopf. „Noch nicht“, sagte ich in ’nem Tonfall, als hätt ich die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass Sven wiederkam. Und weil das nirgendwo stand, in keinem Computer, in keiner Datei, in die meine Chefin sich reinhacken konnte, glaubte sie mir: Hoffnung noch nicht aufgegeben. Sven kommt bestimmt zurück.
So halb glaubte sie mir.
Sie tippte auf den Bildschirm. „Zwei Kinder hat der. Kannste das glauben? Zahlt aber nichts.“
„Wieso? Der hat’s doch dicke.“
„Zahlt trotzdem nicht. Es gibt viele von denen. Kannste dir Gesichter gut merken?“
„Klar“, sagte ich.
„Gut.“ Sie drückte auf „Drucken“.

*

Die Strafe fürs Umgehen des Eintritts zur Demo ist hart: Ein ganzes Monatsgehalt. Obwohl, bei 43.800 Euro allein auf dem Giro ist das fast Kinderkram, wenn ich mal so ’n Wortspiel machen darf.
Ich stehe auf, als Egon aufsteht, an der dritten Station, wie’s der Schleuser ihm nahegelegt hat. Geheimer Weg zur Versammlung. Zehn Euro nur nehmen die meisten Schleuser*innen pro Nase, die weniger komplizierten. Andere nehmen die Hälfte von dem einen Prozent, was sonst laut Gesetz als Eintrittsgebühr anfällt.
„Eintritt zahlen bei einer Demo!“, ereiferten sich ein paar bei der Agentur.
„Ist doch aber nur bei der“, versuchte die Chefin. Und obwohl das stimmte – nur bei Sachen gegen Abtreibung musste man blechen, für die Kinder, die Zukunft; ich dachte an Sven –, kündigten sie.
„Ich mach da nicht mit. Ich trau dem nicht.“ Sie nickten einander zu, warfen mit bedeutungsvollen Blicken um sich. „Nächstens auch noch Eintritt für Demos, wo’s um den Mindestlohn geht.“ Sie schüttelten die Köpfe. „Und wenn der nicht durchkommt, nehmen sie das Geld und geben’s denen als Ausgleich.“
„Wär doch nicht schlecht“, sagte die Chefin. „Solidaritätsprinzip.“
Aber das hätte sie lieber nicht sagen sollen, denn Solidaritätsprinzip war nicht hoch angesehen unter Menschen, die die Köpfe hinhalten mussten, um wen zu beschützen, den sie noch nicht mal kannten außer aus dem TV. Und meist auch nicht mochten.
„Oh Mann.“ Die Chefin seufzte. Das hatte sie von mir übernommen. Beides: „Oh Mann“ und seufzen. „Aber du bleibst doch da?“, fragte sie mich dann.
„Klar bleib ich da.“
Und ich blieb auch da, und bald kam Ersatz, für die, die gegangen waren. Massig Ersatz. Guter Ersatz. An das neue Gesetz glaubender Ersatz. Auch ein paar Männer waren darunter, die brauchte es für die Sonderaufgaben. Aber meine Stellung war schon gefestigt. Ich und die Chefin: Ein gutes Team waren wir.
Manchmal fragte ich mich, ob sie wohl Interesse an Kindern hätte.

*

Und einmal fragte ich sie auch: „Willst du eigentlich Kinder?“
„Wieso?“, fragte sie mich. „Du doch wohl nicht.“
„Nee“, sagte ich. „Aber Sven.“
„Ja, und?“, fragte sie, kapierte es aber schnell. Schließlich war sie die Chefin; und schließlich war sie auch nicht ganz unschuldig daran, dass das neue Gesetz so schnell und überraschend verankert worden war, bevor wer schnallte, was da geschah.
Clever. Ziemlich clever. Unverschämt clever.
Sie lachte laut auf. „Nee“, sagte sie. „Such dir wen anders. Ich will keine Kinder. Noch nicht mal für dich.“
„Ist nicht für mich. Ist für Sven.“
„Ja“, sagte sie. „Eben. Für Sven.“
„Und wenn’s Sven nicht gäbe?“
Sie schaute mich an, ganz lange. „Auch dann nicht“, sagte sie und klappte den Laptop zu. „Aber Sex können wir schon haben. Und zwar jetzt.“
Und so fing’s an mit dem Sex zwischen uns.

*

Egon. Egon. Egon. Ich sollte mich auf Egon konzentrieren. Ich laufe ihm nach, ihm und dem Schleuser, hole auf.
„Ich auch“, sage ich.
„Du? Zur Demo?“
„Ja.“
„Wie viel verdienst du?“
„Ich geb dir einfach fünfzig.“ Ich konnte ja wohl schlecht den Gehaltszettel von der Agentur vorzeigen. Die war mittlerweile für ihre Dienste des Eintritt-Kassierens bekannt. Jedes Mal passiert mir das mit dem fehlenden Gehaltszettel, und jedes Mal nehm ich mir vor, das Gisela zu sagen. Mit links würde sie mir ’nen gefälschten Lohnzettel erstellen, von ’ner Firma, die nicht existierte. Aber jedes Mal nach der Demo macht Gisela was ganz anderes mit links, mit mir, und das hat nichts, aber auch gar nichts, mit Lohnzetteln zu tun. Sondern mit… logisch, schon klar; muss ich nicht extra sagen.
Ich sag’s trotzdem: Sex.
„Fünfzig?“, fragt der Schleuser und guckt so, als ob er überlegt, darauf zu bestehen, meinen Lohnzettel zu sehen. Weil wenn ich freiwillig so viel zahl, ist mein eines Prozent vom Lohn als Eintritt und ergo sein halbes Prozent Schleusergebühr dann bestimmt mehr als das.
Aber ich halt ihm die fünfzig schon hin.
„Ist mir persönlich wichtig“, sag ich. „Überzeugung. Deswegen.“
Das reicht.
Überzeugung, persönlich wichtig – aus dem Grund riskieren sie es, Leute wie Egon: sich einschleusen lassen. Denn wer drei Mal offiziell zur Demo geht – seit kurzem schreiben meine Kolleg_innen an den Einlässen Namen und Adressen auf –, der gilt als Dauer-Unterstützer*in. Und diesen Dauer-Unterstützer*innen werden die Kinder angerechnet, die nicht abgetrieben werden, die ohne Finanzen zur Welt kommen, ohne Vater, der für sie zahlt, mit ’ner Mutter mit nur ganz wenig Geld.
Wie schon gesagt: Geld ist nicht der Hauptgrund, ein Kind nicht zu kriegen. Aber eben doch ein Grund. Und das ist den cleveren Gesetzgeber*innen genug. Sie verlangen genug Geld für ein Kind für ein ganzes Jahr von den Dauer-Unterstützer*innen, auch pro Jahr.
Der Verkauf von Skimasken und Perücken ist sprunghaft angestiegen.

*

Ich will Egon grad ’ne Hand auf die Schulter legen, ihm sagen, dass wir ihn auf dem Video von meiner Knopfkamera haben, wie er den Schleuser bezahlt, als Dauer-Unterstützer, ergo: Geld her ab jetzt, für die Kinder der Zukunft, und am Besten auch noch gleich endlich mal anfangen zu zahlen für die zwei Kinder der Gegenwart, seine Knirpse, die nicht nur theoretisch existierten, zwei Knirpse, von dir, Egon, gezeugt, jetzt steh dafür ein – all das schießt mir durchs Hirn, runter zum Mund, bereit, da rauszukommen, als ich Sven seh.
Und plötzlich kommt gar nichts mehr raus aus meinem Mund, obwohl mir der Mund sperrangelweit offensteht.
Sven schwenkt ein Schild. „Schwule und Transen. Gegen Abtreibung!“
„Richtig so“, sagt Egon. Er stößt mir in die Seite. „Ich hab ja sonst nicht die beste Meinung von denen“, er spricht jetzt leiser, schaut zu Sven, „aber Hauptsache…“ Er bricht ab, mustert Sven. „Also, Transe ist der wohl nicht.“
„Doch“, sage ich.
„Quatsch. Trägt doch kein Kleid. Der sieht ganz normal aus.“
„Normal“, sage ich und stoße Luft aus, ganz laut. „Normal ist das nicht.“
Egon dreht den Kopf zu mir. „Na, komm“, sagt er und stößt mir noch mal in die Seite. Er lacht. „Sei nett zu denen. Solange sie auf unserer Seite sind.“
Ich schaue ihn einen Moment an, Mund auf, Mund zu, wie Karpfen, dann lass ich ihn stehen, geh rüber zu Sven, reiß ihm das Schild aus der Hand.
„Spinnst du?“
„Spinnst du?“, sagt auch Sven.
Gleichzeitig sagen wir es, so gleichzeitig wie wir früher gleichzeitig den gleichen Gedanken hatten. Oft. Wirklich oft.
Und jetzt?
„Ich kapier das nicht. Was machst’n du hier? Was soll das?“, fahr ich ihn an. Ich brülle.
„Lass mich“, sagt Sven. Er bückt sich nach dem Schild. „Ich darf meine eigene Meinung haben.“
„Darfst du. Aber nicht so!“
„Doch. Ich hab überlegt. Und bin gegen Abtreibung.“
„Okay. Gut.“ Ich hole tief Luft, versuche mich zu beruhigen. Es gelingt mir nicht so gut.
„Bin ich nun mal.“ Sven schaut mich an, bittend schon fast, zuckt mit den Schultern.
„Ja, okay. Okay.“
„Okay“, sagt auch Sven und hält sein Schild wieder hoch. Schwule und Transen. Er schwenkt es.
„Aber weißte“, fange ich an.
„Was?“, fragt Sven.
Ich schweig eine Weile, atme tief ein und aus. Geteilte Luft; so nah stehen wir beieinander, Sven und ich.
„Okay“, sage ich dann, mit ’nem riesigen Atemzug, direkt in mein Herz. „Sei gegen Abtreibung, von mir aus. Okay.“
„Nett von dir.“ Sven verzieht die Lippen.
Ich atme noch mal ein-aus, tief, tief. Es hilft nichts; ich brülle wieder: „Aber nicht hier, verdammt!“
Sven weicht einen Schritt zurück. „Machste dir Sorgen? Dass ich jetzt zahlen muss?“ Er lacht auf, zynisch.
„Nee“, sag ich und das stimmt auch. Die Sorgen hab ich nicht. Ich hab ganz andere Sorgen. „Der da zum Beispiel“, ich weise auf Egon. „Der kann dich grad so ertragen. Schwule grad so ertragen. Hat er gesagt.“
„Na, dann hast du ja Glück“, sage Sven.
„Was?“
„Dass du das nicht mehr bist.“
„Was?“, frag ich noch mal.
Sven verdreht die Augen. Verletzt guckt er trotzdem. „Schwul“, sagt er. „Bist doch jetzt hetero, hab ich gehört. Mit Gisela.“
Ich sage nichts.
„Biste nun? Hetero?“
Ich zucke mit den Schultern. „Weiß nicht.“
„Hmm“, sagt Sven und dann schweigen wir beide, sehen dem Zug zu, der sich in Bewegung setzt, an uns vorbei.
Als nur noch ein paar Menschen kommen, seufzt Sven.
„Ich will mitlaufen. Ich geh jetzt.“
„Du gehst nicht“, sag ich.
„Doch“, sagt Sven.
„Kapierst du das nicht? Die sind gegen Schwule. Gegen Transen. Gegen dich!“
Sven zuckt mit den Schultern.
„Haste das Programm nicht gelesen? Deren Flyer? Das steht da, ganz groß.“
„Ganz klein wohl eher. Ist nur ein Nebenpunkt.“ Sven setzt sich in Bewegung. „Die werden ihre Meinung schon ändern.“
„Oh Mann“, sagte ich und schaue ihm nach.

*

Und dann renn ich ihm nach, zieh ihn am Arm.
„Nur ein Nebenpunkt, ja?“
„Ja.“ Sven schüttelt meine Hand ab.
Ich greif wieder zu. „’Nur ’n Nebenpunkt‘! Das haste schon mal überlesen, so ’nen ’nur Nebenpunkt‘. Oder nicht rechtzeitig verstanden.“
„Häh?“, macht Sven, aber dann kapiert er doch. Nebenpunkt: Ohne Gebärmutter werden Sie nicht schwanger. Nie mehr. Aus und vorbei.
Auf einmal heult er los, mitten im Zug, inmitten der Menschen, unter den Schildern.
„Darum ja doch“, sagt er. „Darum bin doch hier.“
„Du spinnst“, sagt ich. „Kannst doch nicht allen verbieten, was bei dir nicht so super lief.“
„Nee?“, fragt Sven.
„Nee“, sag ich.

*

„Will sie ein Kind?“
„Gisela?“
„Hast du sonst noch wen?“ Sven fragt es wie im Scherz. Aber seine Augen lachen nicht; seine Augen gucken verletzt.
„Nee“, sage ich. „Gisela nur.“
„Oh Mann“, sagt Sven.
„Ja“, sag ich. „Irgendwie schon.“
Wir schweigen, laufen nebeneinander, so wie früher. Fehlt nur noch die Hand, die mein Bein streift wie aus Versehen. Meine Hand, die seinen Arsch streift. Unsere Hände, die sich an den Kanten streifen, finden, eine Sekunde lang nur. Weil Schwule: noch immer pervers. Denkt die Welt. Und die Welt ist um uns herum, Menschen vor uns, hinter uns, neben uns, so viele Menschen wie auf der Demo.
Aber auf der Demo sind wir nicht mehr. Wir sind auf dem Weg nach Hause.
„Kommst du mit hoch?“, fragt Sven.
„Oder du runter“, sagt ich. „Will mal wieder die Atemluft teilen in meinem Bett.“
„Na, so schnell nun nicht.“
„Okay, dann in der Küche.“
„Oh Gott“, sagt Sven, und „Oh Gott“, sage auch ich. Küchennächte, lange Gespräche. Und dann lachen wir auf, und dann gucken wir runter aufs Pflaster, als ist uns das peinlich, zusammen gelacht zu haben.
Ich sage als Erster wieder was. „Nee, will sie nicht. Gisela, ein Kind, mein ich jetzt. Ich hab sie gefragt.“
„Du hast was?“
„Sie gefragt. Hörste schwer?“
Sven schüttelt den Kopf, bleibt stehen, mustert mich. „Willst du ein Kind? Oder wieso fragst du sie so was?“
„Mann, du Idiot!“, sag ich und jetzt streift meine Hand doch seinen Arsch und streift nicht nur, sondern schlägt drauf. „Ich hab ja wohl für dich gefragt!“
„Für mich?“
„Ja doch, du Arsch!“
Sven schweigt. Sven schweigt, bis wir unten vor der Haustür stehen.
„Nenn mich nicht Arsch“, sagt er dann und grinst mich an.
„Nee?“, frag ich und grinse zurück. „Du hast aber ’nen schönen.“

*

„Ich weiß.“
„Ich auch.“

*

Und dann atmen wir wieder zusammen. Bewegen Luft gemeinsam, ein und aus.
Und das heißt noch gar nichts, außer: vielleicht.

 


 

„Demo? Geschichte!“ als E-Book

Link zum E-Book

 


 

Zurück zu bereits getätigten Weltverbesserungen

Weiter zu zukünftigen Weltverberbesserungen

„Die Welt, verbessert“ unterstützen: Weltverbesserungsabo

 

Nach oben